Dienstag, 7. Juli 2026

Die Rote Karte

Man muss Donald Trump lassen, dass er die Dreistigkeit zur Kunstform erhoben hat. Herr Trump hat eine äußerst erfolgreiche Karriere aufgebaut, indem er Behauptungen aufstellte und sich, sobald er kritisiert wurde, darüber beschwerte, die ganze Welt sei gegen ihn. Er stilisierte sich selbst zum Inbegriff des Tycoons, indem er im Fernsehen einen solchen spielte. Die Welt war begeistert von seinem angeblichen Reichtum und seinem „Selfmade-Mann“-Image, übersah dabei aber, dass seine Geschäftskarriere letztendlich Unternehmen in den Konkurs trieb, ähnlich wie die meisten Menschen in der Hotelbranche.

Diese Strategie wandte Herr Trump auch in der Politik an, allerdings mit einer kleinen Abwandlung. Seine Botschaft war simpel: Jedes Problem, das ihr habt, ist die Schuld anderer, und ich werde sie fernhalten. Eine bestimmte Wählergruppe nahm ihm das begeistert ab. Sein nächster genialer Schachzug war sogar noch besser: Er verkündete seinen Sieg und erklärte jede Niederlage für manipuliert.

Man muss Herrn Trump zugutehalten, dass diese Strategie äußerst erfolgreich war. Er gewann seine erste Wahl, und selbst wenn man die Situation im Kontext von COVID-19 und Trumps Missmanagement betrachtet, erhielt er dennoch 74 Millionen Stimmen zu viel und gewann 2024 erneut. Was auch immer man denken mag, Trump war erfolgreich, obwohl er keinerlei Fakten präsentierte.

Der jüngste Skandal drehte sich um eine Rote Karte: Donald Trump rief FIFA-Präsident Gianni Infanto an, um die Rote Karte gegen den US-amerikanischen Starstürmer Florian Balogun „überprüfen“ zu lassen. Trump behauptet, er habe Infanto nie angerufen, um ihm Anweisungen zu geben. Man könnte jedoch einwenden, dass ein Anruf des US-Präsidenten mit der Aufforderung, etwas zu „überprüfen“, praktisch einer Anweisung gleichkommt.

Viel wurde darüber diskutiert. Mein Hauptargument ist, dass es traurig und erbärmlich ist, dass ein Staatsoberhaupt den Präsidenten eines Sportverbandes anruft, um ihn zu bitten, eine Schiedsrichterentscheidung zu „überprüfen“.

https://www.youtube.com/watch?v=CZBJj9IPVvE


Um es mal deutlich zu sagen: Das ist eine Blamage für die FIFA und den US-Präsidenten. Wie lief das Ganze ab? Nun, es geschah auf dem Spielfeld. Die USA wurden mit 4:1 vernichtend geschlagen.

Herr Trump schweigt nun auffällig. Er hat kein Wort über ein angeblich manipuliertes Spiel verloren. Doch es gibt ein Problem für Herrn Trump: Alles geschah auf dem Spielfeld. Jeder Moment des Spiels wurde von den über 60.000 Zuschauern live mitverfolgt, und dabei sind die Fernsehzuschauer noch gar nicht berücksichtigt. Man kann also nicht behaupten, dass etwas „verheimlicht“ oder „manipuliert“ worden sei.

Herr Trump mag die Leute in seiner politischen Karriere davon überzeugen können, dass er ein Opfer ist. Zum Glück gelingt ihm das in der Sportwelt nicht.

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